geh-lassen-heit

jahresausklang im kloster

Der Handy-Wecker klingelt (le petit swiss coucou). Es ist noch dunkel. Morgentoilette. Übergang von der Nacht in den Tag. Gedanken ordnen.

Wir treffen uns um 08:00 Uhr zur Morgen Laudes. Die kleinen Gläser mit den Teelichter erhellen den Raum nur punktuell. Einige halten das Licht die ganze Zeit, die kleine Flamme wärmt die Hände, öffnet die Seele und das Herz. Die Texte und die Stille finden Eingang.

Der Duft von frischen Kaffee hat bereits den Kreuz-gang erreicht. Im kleinen Esszimmer geniessen wir ein einfaches Frühstück und hören das „Tages-programm“. Heimkehrende Gäste werden mit einem kleinen Samen-Geschenk aus dem Klostergarten verabschiedet. Als ich im Zimmer meine Gedanken und Eindrücke auf Papier, bzw. Festplatte bringe, blinzelt die Sonne durchs Fenster. Heute schafft sie es, zuerst zögerlich, gegen Mittag weichen die letzten Nebelschwaden. Ich versuche die Makro- und Mikro-Landschaften in den Klostergärten einzu-fangen. Nach der Mittag Sext und dem gemeinsamen stillen Mittagessen und Abwasch gönne ich mir eine kurze Mittagspause. Am Nachmittag laufe ich vom Kloster aus Berg aufwärts, mit der Sonne im Rücken, durch den „Hexengraben“, an den Höfen „grosser und kleiner Kasten“ vorbei Richtung Hirnichopf. Da steht das verlassene Auto der Jäger die mich zuvor überholt haben. Was die heute wohl jagen? Ihre Spuren führen Richtung Chilchenwald. Eigentlich wollte ich mit den Schneeschuhen, vor dem „Hof Hirni“ zur „Sunnenweid“ absteigen. Die Tierspuren, welche vom Waldrand oben quer über den Weg führen und die Jäger unten im Wald, lassen mich auf dem Wanderweg weitergehen. Jäger und ihre Sprache verstehe ich ziemlich gut, Wildschweine dagegen weniger. Vorbei an den Höfen „Hirni“ und „Güpfi“ führt der Weg langsam Talwärts. Manchmal ist es hilfreich, wenn man Karten und Landschaft lesen kann. Oberhalb dem Neuhüsli verlasse ich den Weg mit den Schneeschuhen. Manchmal muss man Wege verlassen um sich nicht zu weit von seinem Ziel zu entfernen. Aber auch dieser Weg führt schlussendlich wieder zu einem bekannten Weg. Auch wenn er querfeldein führt.

Kurz nach vier Uhr erreiche ich das Kloster. Das Kaffeegespräch ist schon gut besetzt. Pius ist auch angekommen. Kaffee und Dusche bringen mich in die Zivilisation zurück. Das Abendessen wird ausnahmsweise im Oekonomiegebäude im grossen Essraum aufgetragen. Da ein Käsefondue auch einen „geselligen“ Hintergrund hat, gibt es diesem Abend die zweite Ausnahme: „das Stille Essen“ ist für heute Abend aufgehoben. Nach dem Essen werden die ersten Neujahrsgrüsse, nach Bern, über Lausanne, die Normandie bis nach Aachen „abgeglichen“ und das schönste ist: „wir sehen alle denselben Mond“ und „er“ sieht uns.

Nach der Nacht Komplet ziehen wir uns noch einmal zurück und vor allem „Wärmer“ an. Um 22:15 Uhr gehen wir unter der Leitung von Pius auf unseren „Silvester-Spaziergang“, Der Mond beleuchtet unsere Schritte, selbst im Wald ist es angenehm hell. Bevor wir den Rückweg antreten, lauschen wir im Wald in einer Geländekurve den wenigen Nachtgeräuschen. Der kleine Bach und die Baumwipfel erzählen uns übers ausklingende Jahr. Einfach zuhören. Wir geniessen die Ruhe und den Mond mit seinem weichen Licht. Die Frage taucht auf: „bewegt sich nun der Mond hinter der Tanne hervor, oder bewegt sich die Tanne zur Seite?“. In Gedanken versunken kehren wir zum Kloster zurück.

In der mit vielen Kerzen erleuchteten Krypta wärmen wir uns kurz auf, bevor wir in den Kreuzgang Garten gehen. Pius hat im gehauenen Brunnentrog eine Feuerschale und Holz vorbereitet. Eine Viertelstunde vor Mitternacht wird das Feuer angezündet. Dieses „Feuer-Werk“ und die Kirchenglocken geleiten uns ins neue Jahr. Ohne Böller und Sektkorken knallen. Wir stehen um das Feuer, Hans bringt uns allen eine Schale Tee. Damit stossen wir leise an und wünschen uns, unseren Angehörigen und allen Menschen auf dieser Erde, Frieden und ein gutes, erfolgreiches neues Jahr.