geh-lassen-heit

jahreseinklang im kloster

Zusammen gehen wir in das Schwesternhaus, in den Dachstock. Dort halten wir noch einmal ein kleines Nachtgebet, in Gedenken an die französischen Mönche in Algerien, die vor zehn Jahren ums Leben gekommen sind.

Mit einem kurzen Kopfnicken und leisen Worten verabschieden wir uns voneinander und gehen schlafen.

Ich überlasse es euch, euch vorzustellen, welche Wünsche, Hoffnungen und Gedanken uns im geschützten Kreuzgang Garten umgeben haben.


Der Handy-Wecker klingelt (le petit swiss coucou). Es ist noch dunkel. Morgentoilette. Übergang von der Nacht in den Tag. Gedanken ordnen.

Wir treffen uns um 08:00 Uhr zur Morgen Laudes. Die kleinen Gläser mit den Teelichter erhellen den Raum nur punktuell. Einige halten das Licht die ganze Zeit, die kleine Flamme wärmt die Hände, öffnet die Seele und das Herz. Die Texte und die Stille finden Eingang.

Der Duft von frischen Kaffee hat bereits den Kreuzgang erreicht. Im kleinen Esszimmer geniessen wir ein einfaches Frühstück und hören das „Tagesprogramm“. Heimkehrende Gäste werden mit einem kleinen Samen-Geschenk aus dem Klostergarten verabschiedet. Einige gehen Laufen, es wird wieder ein prachtvoller Tag. Als ich später ins „Mittelland“ fahre, sehe ich nach dem Passwang Pass bereits die Ausläufer der Nebelsuppe. Doch vorher noch einmal schreiben, am Fenster sitzen, packen. Die Anzahl der Gäste ist bei der Mittag Sext und beim Mittagessen bereits geschrumpft. Elisabeth und ich besorgen den Abwasch. Wir sind hier eben nur „zu Gast“, es gibt ein Leben ausserhalb der Kloster-mauern. Jeder Besinnlichkeit folgt wieder eine Zeit bei den Familien, Freunden und Bürokollegen. Auch hier wäre die Kunst, diese Besinnlichkeit in den All-Tag zu transportieren.

Zimmer saugen, Bettwäsche wechseln, Wäsche in die Waschküche bringen, Gepäck runtertragen. Man findet immer wieder einen Gang um den Abschied hinauszuzögern.

Letzte Verabschiedungen, wir werden uns wiedersehen. Vielleicht am nächsten „Mitarbeits-Tag“ oder auf einer Wanderung oder einfach so.

Vielen lieben Dank den Menschen in und um das Kloster.


rudolf le pelerin, 4. Januar 2015