13. dezember

...eigentlich,

eigentlich wollte ich in diesem jahr ein paar kilometer mit meiner pilgergruppe weiterlaufen. von interlaken nach fribourg.

eine nicht ganz optimale planung des pilgerbegleiters und ein paar terminkollisionen führten dazu, dass ich nicht ein loch in der wandersocke hatte, sondern ein paar arbeitsfreie tage.

kurz entschlossen wollte ich auf dem pilgerweg durchs unterengadin weiterlaufen. die tage von müstair nach tschierv, von lü über den pass da castainas ins val s-charl nach scuol, von scuol nach guarda bis lavin waren mir vom letzten jahr noch tief in erinnerung. war es doch auch eine reise in die vergangenheit, bis in die schulzeit zurück..., damals und danach eine gute, sehr gute zeit.

an diese strecke wollte ich anknüpfen, aber auf dem scalettapass lagen noch zwei meter schnee. ich werde das noch nachholen. oben auf der passhöhe, auf 2606 m.ü.m. zu stehen.

steh bitte mal auf, schliess die augen, stell dir vor du stehst auf der passhöhe, genau in der mitte. du streckst den linken arm nach süden und den rechten nach norden. es beginnt zu regnen. die tropfen sammeln sich auf deinen armen, händen und finger und weil es tropfen sind, tropfen sie auf den felsigen boden. auf der linken seite werden die tropfen sich wieder sammeln und gemeinsam ins tal zu tanzen. sie werden sich in den inn stürzen, durch budapest fliessen um schliesslich ins schwarze meer zu strömen. die tropfen auf der rechten seite werden auch ihren weg ins tal suchen. sie werden vom rhein aufgenommen, fliessen durch basel bis in die nordsee. hier entscheidet ein feiner windstoss, ob zwei tropfen zusammen dem einten meer zufliessen oder getrennt den beiden meeren zufliessen, 2000 km von einander getrennt.

und, wer hat den feinen windstoss ausgelöst? der flügelschlag eines zitronenfalters?

 

...eigentlich wollte über etwas schreiben das im westen liegt, aber manchmal schreibt es einfach...

 

 

rudolflepelerin